Posts Tagged ‘Plinius’
Zwischen Schutz und Show: die Geschichte der Sonnenbrille

Die Geschichte der Sonnenbrille beginnt mit dem römischen Kaiser Nero. Sei es, um sich vor blendenden Sonnenstrahlen zu schützen, sei es, um sich durch die tiefgrüne Farbe zu beruhigen oder sich visuelle Abwechslung zu verschaffen, Plinius der Ältere berichtet von Nero, dass er sich Gladiatorenspiele in einem Spiegel aus Smaragd anschaute.

Die ersten Sonnenbrillen, die uns überliefert sind, werden um das Jahr 1200 datiert und kommen aus der östlichen Arktis. Aus Knochen oder Walross-Elfenbein haben sich Eskimos Brillen mit engen Sehschlitzen geschnitzt und mit Lederfäden an den Kopf gebunden, um bei der Jagd oder auf Reisen nicht schneeblind zu werden. Etwa zur gleichen Zeit kommt in China eine andere Vorform der Sonnenbrille bei Gerichtsverhandlungen in Gebrauch.

Chinesische Richter setzten sich während eines Prozesses Brillen aus Rauchglas auf, um beim Befragen von Zeugen verräterische Augenbewegungen zu verstecken: Sehen, aber nicht gesehen werden. Schon Plinius wies auf die beruhigende Wirkung des Smaragds hin, und gefärbte Gläser wurden später gern empfohlen, um Augenleiden zu lindern. 1752 entwickelte der Instrumentenmacher James Ayscough Brillen mit blauen und grünen Gläsern zu diesem Zweck.

Erst im späten 19. Jahrhunderts begann man die schädliche Wirkung von unsichtbaren UV-Strahlen auf das menschliche Auge zu entdecken, doch brauchte es bis in die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts bis eine Sonnenbrille entwickelt war, die auch vor UV-Licht schützte. Schon zuvor traten Stummfilmstars gern mit Sonnenbrillen auf, die mehr dazu dienten, ihre eigenen von den grellen Bogenlampen am Filmset geröteten Augen zu verdecken als vor Sonnenlicht zu schützen.

Die Sonnenbrille beginnt damit, ihren alten Kontext von Krankheit und Gebrechlichkeit zu verlassen. Automobil und Flugzeug waren neue technische Entwicklungen, die besondere Anforderungen an den Schutz der Augen auch vor grellem Licht stellten. 1929 beginnt der Amerikaner Sam Foster im Seeort Atlantic City Sonnenbrillen an Laufkundschaft zu verkaufen, seine Marke Foster Grant war das erste Massenmodell einer Sonnenbrille. 1934 entwickelt die amerikanische Firma Bausch & Lomb UV-Schutzbrillen, ursprünglich für Piloten gedacht, die dann ab 1937 unter dem Namen Ray Ban rasch eine weite Verbreitung fanden. Sonnenbrillen wurden von da an vor allem durch die Vermittlung von Filmstars und Musikern ein Bestandteil der Mode und Massenkultur. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg strahlte dieser neue Gebrauch von den USA aus nach Europa wie auch in den Rest der Welt.

 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Brillen